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Das Herz der Publikationen

Die MyCoRe-Geschäftsstelle am RRZ

Von Wiebke Oeltjen

Am Regionalen Rechenzentrum der Universität Hamburg ist seit November 2005 die Geschäftsstelle für das Open Source Software-Projekt „MyCoRe“ angesiedelt. MyCoRe ist ein bundesweites Projekt mit Mitgliedern an verschiedenen Universitätsbibliotheken und Universitätsrechenzentren, die in Kooperation die MyCoRe-Software entwickeln (http:// www.mycore.de). Beteiligt sind daran unter anderem die Universitätsbibliothek Duisburg-Essen, die Thüringische Universitäts- und Landesbibliothek in Jena, das Universitäts¬rechenzentrum der Universität Leipzig und die Universitätsbibliothek Rostock. Um die Entwicklungsarbeit zu koordinieren und um eine Anlaufstelle bzw. einen Ansprechpartner zu haben, wurde die MyCoRe-Geschäftsstelle eingerichtet und im ersten Jahr mit Kathleen Krebs besetzt. Sie initiierte mit der Arbeitsgruppe VCB mehrere MyCoRe-Projekte an der Universität Hamburg. Seit Februar 2007 wird die Geschäftsstelle von Wiebke Oeltjen geleitet. Sie vertritt die „Community“ verstärkt auch nach außen und setzt sich weiter dafür ein, neue Anwender für MyCoRe zu gewinnen.

Die Funktionalität von MyCoRe

MyCoRe (engl. gesprochen: my core) ist eine Open Source Software, die einen Kern bereit stellt, mit dem Dokumenten- und Publikationsserver aufgebaut und Archivanwendungen entwickelt werden können (My Content Repository). MyCoRe ist eine Weiterentwicklung des Miless-Systems, dem „Multimedialen Lehr- und Lernserver Essen“, der von Frank Lützenkirchen an der Universitätsbibliothek Essen zur Verwaltung digitaler Dokumente entwickelt wurde [Lützenkirchen 2002]. Das MyCoRe-Projekt verfolgt das Ziel, ein flexibles System zur Verwaltung digitaler Dokumente für den Einsatz an verschiedenen Universitäten und Bibliotheken zu entwickeln, das leicht angepasst werden kann und das den unterschiedlichen Anforderungen an einen Dokumenten- bzw. Archivserver gerecht wird. Mit dem MyCoRe-System können digitale Dokumente verschiedenster Art gespeichert werden. Dazu gehören z.B. Zeitschriften, Dissertationen, Buchveröffentlichungen, Artikel, digitalisierte Papyri oder Handschriften, Videos sowie Bilder. Solche digitalisierten Dokumente werden mit so genannten Metadaten versehen, den bibliografischen Daten, die in standardisierter Form die Dokumente beschreiben und auffindbar machen.

Zur Funktionalität gehören unter anderem:

  • Konfigurierbare, hierarchische Metadatenmodelle
  • Beliebige hierarchische Klassifikationssysteme, wie z. B. Dewey Dezimalklassifikation
  • Mehrsprachige Weboberfläche (I18N, UTF-8)
  • Import/Export von Objekten als XML-Dokument
  • Beliebige Dateitypen, auch sehr viele und sehr große Dateien
  • Verwaltung ganzer Verzeichnishierarchien je Dokument, z. B. eines HTML-Baumes
  • Integration professioneller Audio-/Video-Strea¬ming-Server
  • Suche:
    • in Metadaten, Volltexten, extrahierten Daten und XML-Strukturen
    • über eigene Abfragesprache mit booleschen Operatoren, nach Phrasen, oder mit Platzhaltern
    • Verteilte Suche über mehrere Server
  • Benutzer-, Gruppen- und Zugriffsrechteverwaltung, Access Control Listen
  • Persistent Identifier (URN)
  • Schnittstellen und Protokolle
    • OAI-PMH 2.0 Data Provider (Open Archives Initiative)
    • Web Services (SOAP) Schnittstelle für Suche im Repository
    • Z39.50 Server Schnittstelle
    • Google Sitemap Protokoll
  • Web Content Management System (WCMS) zur Pflege statischer Webseiten
  • Bildanzeige (Image Viewer) für große Digitalisate und Bilddateien
  • Online-Eingabeformulare
  • Datei-Uploadfunktionen
  • MyCoRe Editor-Framework  zur Such- und Eingabemaskenerstellung
  • Kommandozeilen-Interface

MyCoRe ist Open Source unter der GNU General Public License und kann kostenlos heruntergeladen, verwendet und an eigene Bedürfnisse angepasst werden. Die Quellcodes, Konfigurations- und Beispieldateien sowie die Dokumentation zum MyCoRe-Projekt werden in einem „Subversion-Repository“ verwaltet . Das aktuelle Release ist MyCoRe 1.3, die Version 2.0 steht kurz vor der Fertigstellung (Stand Februar 2008). Es besteht aus dem eigentlichen MyCoRe Kern, sowie der Beispiel- und Referenzanwendung „DocPortal“, die beispielhaft einen einfachen Dokumenten- und Publikationsserver realisiert.

Die MyCoRe-Architektur

MyCoRe ist eine Webanwendung, die für den Betriebe eine Java-Laufzeitumgebung erfordert (Java 5 SDK Standard Edition). Zur Systemumgebung ist zu sagen, dass MyCoRe plattformunabhängig ist. Getestet wurde die Software unter Windows, Linux, Solaris, IBM AIX und MacOS. Die MyCoRe-Anwendungen werden mit einem Web Application Server betrieben, wie z.B. Apache Tomcat, Jetty oder IBM WebSphere. Die Anwendungen werden mit relationalen Datenbanken wie MySQL, Oracle oder IBM DB2 betrieben. Für Test- und Entwicklungssysteme ist bereits die HSQLDB Datenbank integriert. Auch der Jetty Web Application Server ist bereits integriert und kann ohne separate Installation verwendet werden.

Aufgaben der Geschäftsstelle

Die vorrangige Aufgabe der MyCoRe-Geschäftsstelle ist es, Anlaufstelle und Ansprechpartnerin für die Entwickler, für Beteiligte in den MyCoRe-Projekten sowie für MyCoRe-Interessierte zu sein. Eine Aufgabe, die alle 14 Tage von der Geschäftsstelle wahrgenommen wird, ist die Organisation und Durchführung von Telefonkonferenzen mit den Entwicklern. In diesen regelmäßigen Gesprächen werden Aufgabenverteilungen und Planungen der weiteren Arbeiten vorgenommen. Um die kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten trifft sich die „Community“ zweimal jährlich zu Entwicklertreffen, bei denen die Zusammenarbeit verfestigt wird. Die Geschäftsstelle unterstützt die Entwicklungsarbeit (so weit möglich) durch Tests und Anpassungsarbeiten, sowie durch Dokumentation. Damit die Anforderungen der Anwenderinnen und Anwender in die weitere Arbeit aufgenommen werden kann, pflegt die Geschäftsstelle den Kontakt (per Mail und Telefon) und dient darüber hinaus als Ansprechpartnerin für MyCoRe-Interessierte. Wenn es Bedarf gibt, dann wird MyCoRe auch vor Ort vorgestellt und es kann ein möglicher Umsetzungsplan gemeinsam entwickelt werden (Bedarfsanalyse und Projektplanung). Problembewältigung und Problemlösungseinsätze wurden ebenso von der Geschäftsstelle geleistet.

Die Weiterentwicklung der MyCoRe-Software wird koordiniert und die neuen Versionen werden mit der dazugehörigen Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht. Dies geschieht auf den MyCoRe-Webseiten  und der MyCoRe-Mailingliste . Neue MyCoRe-Versionen werden darüber hinaus in, von der Geschäftsstelle organisierten Informationsveranstaltungen und  MyCoRe-Workshops (09/2006 in Jena und 10/2007 am RRZ in Hamburg) vorgestellt.
Seit Beginn der MyCoRe-Entwicklung besteht eine Zusammenarbeit mit IBM, da von Anfang an IBM-Produkte  mit MyCoRe eingesetzt werden konnten. Die Beziehungen zwischen der MyCoRe-Community und IBM werden zur Zeit von Kathleen Krebs (Department Informatik, Universität Hamburg) koordiniert.
Da MyCoRe stetig weiterentwickelt wird, ergeben sich immer wieder auch Themen, die in Diplomarbeiten mit interessanten Fragestellungen bearbeitet werden konnten und können. Dokumentiert werden die Ergebnisse in dem MyCoRe-Wiki , das von der Geschäftsstelle eingerichtet wurde und betreut wird. Das Wiki steht den Entwicklern und allen MyCoRe-Anwenderinnen und -Anwendern als Dokumentationsplattform zur Verfügung. Die MyCoRe-Geschäftsstelle wird von den MyCoRe-Projektpartnern finanziert.

Kontakt

Die MyCoRe-Geschäftsstelle ist erreichbar unter der e-Mail-Adresse info(at)mycore.de. Fragen bezüglich der Software können direkt an die MyCoRe-Community gerichtet werden, die über die MyCoRe-User Mailingliste unter der Adresse mycore-user(at)lists.sourceforge.net erreichbar ist. Wer Interesse an der Software hat und sie installieren und testen möchte, kann die Quellen zum Download bei SourceForge finden unter http://sourceforge.net/projects/mycore/.

Literatur

Lützenkirchen, Frank (2002): MyCoRe – Ein Open-Source-System zum Aufbau digitaler Bibliotheken. Datenbank Spektrum, 2(4), November 2002, 23-27,
http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=10653
► Weitere Informationen zu MyCoRe unter
 info(at)mycore.de und http://www.mycore.de

Autor: Klaus Tormählen, Stand: 08.04.2008 19:07 Uhr

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